Gründächer im Starkregen-Test: Auf den Aufbau kommt es an
Wie gut schützen Gründächer unsere Städte bei Starkregen? Forschende aus Leipzig und Dresden haben das in 222 Versuchen untersucht.
Gerade noch war es heiß und trocken, doch plötzlich regnet es stark. Bei einem kräftigen Sommergewitter sprudelt dann Wasser aus den Gullys. Ganze Straßen werden zu Bächen und die Keller laufen voll. Gründächer könnten helfen, die Wassermassen in so einer Situation zu bremsen. Wie gut das funktioniert, hat ein Forschungsteam aus Leipzig und Dresden vier Jahre lang untersucht.
Beteiligt am Projekt MaNuGrün waren unter anderem die Leipziger Wasserwerke, die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig), das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und die Stadtentwässerung Dresden. Gefördert wurde das vierjährige Projekt seit Dezember 2021 durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt.
Für die Untersuchung bauten die Leipziger Wasserwerke extra eine Versuchsanlage mit zehn unterschiedlichen Dachtypen. Acht waren handelsübliche Gründächer. Die anderen beiden ein Kiesdach sowie ein herkömmliches Dach. Für den Regen sorgte zwischen Juni und September 2025 eine eigens entwickelte Anlage. 222 Mal ließ sie künstlichen Regen auf die Dächer prasseln.
Wie stark es regnete, war unterschiedlich. Mal simulierten die Forschenden einen Starkregen, wie er statistisch gesehen etwa einmal im Jahr zu erwarten ist. Ein andermal ließen sie einen Jahrhundertregen niedergehen. Empfindliche Sensoren registrierten in allen Fällen, wie viel Wasser abfloss und wie schnell das passierte.
Der Abfluss wird zum Knackpunkt
Alle Gründächer in der Untersuchung bremsten den Abfluss deutlich. Besonders effektiv war ein intensiv begrüntes Dach mit einer sogenannten Drossel. Das Bauteil begrenzt wie viel Wasser auf einmal abfließen kann.
Viel Wasser hielten vor allem Dächer zurück, deren Pflanzsubstrat mindestens zehn Zentimeter dick war. Entscheidend ist also nicht allein, dass es auf dem Dach grünt. Auch der Aufbau darunter spielt eine große Rolle.
Das deckt sich mit Studien aus England und den USA. Dort konnten Gründächer kleinere Regenschauer nahezu vollständig zurückhalten. Bei heftigem Regen waren ihre Speicher dagegen schnell gefüllt. Dann kommt es vor allem darauf an, wie langsam das Wasser vom Dach abfließt.
Bessere Planung für die Kanalisation
Um ihre Kanalnetze zu planen, nutzen Städte Computerprogramme. Doch wie viel Regenwasser von Gründächern abfließt, berücksichtigen diese Programme oft nicht genug. Dadurch überschätzen sie die Wassermengen, die in der Kanalisation ankommen. In einzelnen Fällen berechneten sie bis zu achtmal so viel Wasser, wie bei den Versuchen tatsächlich von den Dächern abfloss.
Die HTWK Leipzig entwickelte deshalb anhand der Messdaten ein genaueres Rechenmodell. Das UFZ untersuchte außerdem, wie sich das Wasser auf den einzelnen Dächern verteilt.
„Regenwasser sollte zurückgehalten werden, verdunsten oder versickern“, sagt HTWK-Professor Hubertus Milke. „Gründächer sind dafür eine wirkungsvolle Möglichkeit.“ Die Ergebnisse sollen künftig bei der besseren Planung helfen. Das Bildungs- und Demonstrationszentrum Dezentrale Infrastruktur (BDZ) hat dafür einen Leitfaden für Kommunen, Planungsbüros und private Interessenten erstellt.