Etwas mehr Regen, viel mehr Hochwasser
Sturm Boris verursachte 2024 schwere Überschwemmungen in Mitteleuropa. Forschende aus Leipzig und Dresden haben berechnet, wie stark der Klimawandel das Hochwasser beeinflusste.
Tagelang regnete es im September 2024 in Teilen Mittel- und Osteuropas. Flüsse traten über die Ufer und ganze Orte standen unter Wasser. Besonders schwer traf der Sturm Boris Polen, Tschechien und Österreich. Dass der Klimawandel den Regen verstärkt hatte, war bereits bekannt. Forschende aus Leipzig und Dresden haben nun untersucht, was das für das Hochwasser bedeutete. Der Einfluss des Klimawandels auf die Hochwasserspitzen war demnach deutlich größer als auf die Regenmengen.
Ein kleines Plus beim Regen, ein großes im Fluss
Die Studie entstand unter Leitung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig. Das Team um Erstautor Peter Miersch berechnete nicht nur, wie viel Regen während Sturm Boris fiel, sondern auch, wie viel Wasser dadurch in die Flüsse gelangte. Dafür nutzten die Forschenden verschiedene Computerprogramme und verglichen zwei Szenarien: das Hochwasser unter heutigen Klimabedingungen und dasselbe Ereignis in einer gedachten Welt ohne menschengemachten Klimawandel.
Ohne diesen Einfluss wären bei Boris etwa sechs bis neun Prozent weniger Niederschlag gefallen. Die Hochwasserspitzen hätten im Mittel 14 bis 22 Prozent niedriger gelegen. Gemeint ist damit der Moment, in dem am meisten Wasser durch den Fluss strömt.
Einen wichtigen Einfluss hat der Boden. "Er kann zunächst einen Teil eines Starkregenereignisses abfangen", erklärt Miersch. "Aber irgendwann ist er voll, und dann gelangt jeder zusätzliche Millimeter Wasser direkt in den Fluss." Um ihre Ergebnisse zu überprüfen, verwendeten die Forschenden zwei Klimamodelle und zwei unterschiedliche Rechenverfahren für den Wasserabfluss. Eines davon arbeitete mit künstlicher Intelligenz. Trotz der unterschiedlichen Verfahren kamen sie zu ähnlichen Ergebnissen.
Deiche haben eine Grenze
Für den Hochwasserschutz macht das einen erheblichen Unterschied. Deiche und Schutzmauern können nur bestimmte Wassermengen zurückhalten. "Wenn der Klimawandel zu zehn Prozent mehr Extremniederschlag führt, bedeutet das nicht, dass das Hochwasser ebenfalls nur zehn Prozent stärker wird. Es können auch zwanzig Prozent sein", sagt Jakob Zscheischler. Er forscht am UFZ und ist Professor an der TU Dresden.
Werden die Grenzen des Hochwasserschutzes überschritten, können laut Zscheischler schnell sehr große Schäden entstehen. Deshalb genügt es nicht, bei der Planung nur zu berücksichtigen, wie sich die Regenmengen verändern.
Ob Stürme wie Boris durch den Klimawandel künftig häufiger werden, beantwortet die Studie nicht. Auch Veränderungen der Landschaft oder des Umgangs mit Wasser wurden nicht berücksichtigt. Die Forschenden wollten gezielt herausfinden, welchen Unterschied der Klimawandel bei diesem einen Ereignis machte.
Für die Bewertung künftiger Hochwassergefahren ist das ein wichtiger Hinweis. Nicht allein die Regenmenge entscheidet, sondern auch, was anschließend mit dem Wasser passiert.
Originalpublikation:
Peter Miersch et al., Evidence from 2024 Storm Boris indicates anthropogenic climate change amplifies floods more than extreme precipitation.Sci. Adv.12,eaef7703(2026).