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Mensch & Gesellschaft

Zuwanderung für den Job – warum Arbeit allein nicht reicht

Menschen aus dem Ausland könnten den Fachkräftemangel auf dem Land lindern. Doch was bringt sie dazu, dauerhaft zu bleiben? Ein Forschungsteam hat das untersucht.

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Arbeiter auf einer Baustelle
Auf vielen Baustellen werden Arbeitskräfte gesucht. Forschende haben untersucht, was dazu beiträgt, dass Menschen aus dem Ausland nicht nur für einen Job kommen, sondern auch langfristig bleiben. © Etienne Girardet/Unsplash

Fernab großer Städte herrscht vielerorts Fachkräftemangel. Gleichzeitig schrumpft die Bevölkerung in vielen Regionen und wird älter. Fach- und Arbeitskräfte aus dem Ausland könnten in dieser Situation helfen. Doch wie schafft es eine Region, dass Menschen nicht nur kommen, sondern auch bleiben?

Das hat ein Forschungsteam der HTWK Leipzig, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und des Leibniz-Instituts für Länderkunde untersucht. Als Beispiel diente den Forschenden der Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt. Dort soll die Bevölkerung bis 2040 um rund ein Fünftel schrumpfen. 

Die Wissenschaftler werteten regionale Daten aus und führten Interviews oder auch Workshops mit Zugewanderten, Behörden, Unternehmen und zivilgesellschaftlichen Organisationen durch. Ihre Ergebnisse erschienen in der Fachzeitschrift "Wirtschaftsdienst". 

Viele arbeiten unter ihren Möglichkeiten

2025 hatten im Burgenlandkreis elf Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen ausländischen Pass. Viele arbeiten jedoch befristet, in Leiharbeit oder unterhalb ihrer Qualifikation. Ihr Können bleibt damit zum Teil ungenutzt. 

Eine Ursache liegt in der Geschichte. In die DDR kamen kaum Menschen, um dauerhaft zu bleiben. Deshalb fehlen in vielen Regionen bis heute größere Netzwerke von Zugewanderten. Daraus kann ein Kreislauf entstehen. Wo wenige Zugewanderte leben, gibt es weniger Kontakte, die Neuankömmlingen beim Ankommen helfen. Fehlen solche Netzwerke, zieht es wiederum weniger Menschen in die Region. Großstädte haben es deshalb oft leichter. Fachleute sprechen von Pfadabhängigkeit: Frühere Entwicklungen prägen die Möglichkeiten von heute. 

Eine andere Untersuchung aus Sachsen-Anhalt zeigt, wie schwierig auch das Bleiben sein kann. Etwa ein Drittel der dort befragten Zugewanderten erwägt einen Wegzug. Als Gründe werden unter anderem mangelnde Willkommenskultur, Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen sowie ein fehlendes soziales Umfeld genannt. 

Was Menschen auf dem Land hält

Dabei sehen Zugewanderte das Leben im Burgenlandkreis keineswegs nur negativ. In den Befragungen nannten sie unter anderem soziale Nähe, bezahlbaren Wohnraum, kurze Wege und verfügbare Kinderbetreuung als Vorteile. Schwieriger wird es bei beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten, Infrastruktur sowie kulturellen und sozialen Angeboten. 

Der Burgenlandkreis versucht bereits, einige dieser Probleme anzugehen. 2018 gründete er eine Migrationsagentur. Dort arbeiten Ausländerbehörde, Jobcenter, Jugendamt und Sozialhilfe unter einem Dach. In einem Integrationsnetzwerk tauschen sich rund 70 Akteure aus Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft aus. Ein Migrationsrat bringt die Erfahrungen von Zugewanderten in die Verwaltungsarbeit ein. 

Im Pilotprojekt CareerPaths lernen Zugewanderte Unternehmen aus der Region kennen. Einzelne Betriebe bieten außerdem Sprachkurse mit Bezug zur jeweiligen Branche und flexible Arbeitszeiten an. 

Zuwanderung allein reicht nicht

Trotzdem sehen die Forschenden Lücken. Sie empfehlen einfachere Verfahren für die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse, mehr Mehrsprachigkeit in den Verwaltungen und einen wirksameren Schutz vor Diskriminierung. 

Zuwanderung allein löst den Fachkräftemangel nicht, so das Fazit der Forschenden. Entscheidend ist auch, ob Menschen vor Ort Arbeit finden, Anschluss bekommen und eine Perspektive für sich sehen. Dafür müssen Verwaltung, Unternehmen und Zivilgesellschaft zusammenspielen.


Originalpublikation:
Mrázová, L.; Fischer, H.; Winter, J.; Leibert, T.; Marmai, N.; Gescher, J.; Wink, R. (2026): Arbeitsmarktintegration: Pfadabhängigkeiten und Empfehlungen für neue Zuwanderungsregionen. Wirtschaftsdienst 106(9), 675–681.