DDR und Wendezeit: Leipzig bekommt neues Forschungszentrum
Wie haben die DDR und die Jahre nach der Wiedervereinigung das Leben der Menschen geprägt? An der Universität Leipzig entsteht ein neues Zentrum, das diese Zeit aus verschiedenen Blickwinkeln untersucht.
Über die DDR und die Jahre nach der Wiedervereinigung wird in vielen Familien bis heute gesprochen. Erinnerungen an den Alltag stehen neben Erfahrungen mit der SED-Diktatur. Für viele Menschen brachte der Umbruch nach 1989 neue Möglichkeiten, für andere den Verlust des Arbeitsplatzes und große Unsicherheit. An der Universität Leipzig sollen diese Erfahrungen künftig noch intensiver erforscht werden.
Dafür baut die Hochschule ein „Zentrum für vergleichende DDR- und Transformationsforschung“ auf. Transformation bezeichnet den tiefgreifenden politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruch nach 1989. Das Bundesforschungsministerium unterstützt den Aufbau mit knapp drei Millionen Euro. Die Förderung läuft von Oktober 2026 bis September 2031.
Die DDR im Vergleich betrachten
Leipzig spielte bei der Friedlichen Revolution 1989 eine zentrale Rolle. Zehntausende Menschen gingen hier im Herbst für Freiheit und Demokratie auf die Straße. Auch an der Universität beschäftigen sich Forschende seit vielen Jahren mit der DDR und der Zeit nach der Wiedervereinigung. Das neue Zentrum soll diese Arbeit bündeln und verschiedene Fachrichtungen zusammenbringen. Die Leitung übernehmen der Historiker Dirk van Laak und die Kultursoziologin Monika Wohlrab-Sahr.
Dabei wollen die Forschenden nicht nur untersuchen, was in der DDR geschah. Sie interessieren sich auch dafür, wie die Menschen diese Zeit erlebt haben, wie sie heute daran erinnern und welche Folgen der Umbruch nach 1989 bis in die Gegenwart hat. Besonders die 1990er-Jahre stehen dabei im Mittelpunkt. Damals wurden politische und wirtschaftliche Entscheidungen getroffen, deren Folgen bis heute spürbar sind. Zugleich verlief der Umbruch für die Menschen sehr unterschiedlich.
Auch Polen oder Tschechien erlebten nach 1989 tiefgreifende Veränderungen. Vergleiche mit diesen Ländern können zeigen, welche Entwicklungen für Ostdeutschland typisch waren und welche sich auch anderswo beobachten lassen. Solche Vergleiche sind in der Wissenschaft seit Langem etabliert und sollen auch bei der Arbeit des Leipziger Zentrums eine Rolle spielen.
Forschung zum Mitreden
Das Zentrum soll aber nicht nur ein Ort für Forschende sein. Man wolle "Wissenschaft und Öffentlichkeit in einen Austausch bringen", sagt van Laak. Bürger sollen sich an der Sammlung von Erfahrungen beteiligen und über Forschungsergebnisse mitdiskutieren können. Vorgesehen sind außerdem Fortbildungen, wissenschaftliche Beratung und praxisnahe Lehrveranstaltungen.
Besonders wichtig ist Wohlrab-Sahr die Zusammenarbeit mit Einrichtungen der Erinnerungskultur und Initiativen aus der Zivilgesellschaft. "Das Forschungszentrum soll Anlauf- und Orientierungspunkt für die Stadtgesellschaft sein und von dort aus in die Region, die Republik und darüber hinaus ausstrahlen."
Der Aufbau des Leipziger Zentrums ist Teil einer größeren Förderinitiative des Bundes. Insgesamt stehen ab 2026 bis zu zwölf Millionen Euro bereit, um die DDR-Forschung an deutschen Hochschulen zu stärken. Das Leipziger Zentrum soll auch nach Ablauf der fünfjährigen Förderung weiterbestehen. Ob es gelingt, die Forschung dauerhaft an der Universität zu verankern, wird sich allerdings erst zeigen.