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Sexismus bei der Polizei Sachsen: Studie zeigt Ursachen

Abwertende Sprüche, Benachteiligung und körperliche Grenzüberschreitungen: Eine Studie der Universität Leipzig verdeutlicht, welche Formen von Sexismus bei der Polizei Sachsen vorkommen und warum es Betroffenen schwerfällt, darüber zu sprechen.

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Polizeiauto als Symbolbild für eine Studie über Sexismus bei der Polizei Sachsen
Sexismus im Polizeidienst: Eine Studie der Universität Leipzig zeigt, welche Formen von Diskriminierung und Grenzüberschreitungen bei der Polizei Sachsen vorkommen. © Ingo Kramarek/pixabay

Wer die 110 wählt, verlässt sich auf die Polizei. Doch wie gehen Polizistinnen und Polizisten untereinander um? Eine Studie der Universität Leipzig zeigt, dass es auch innerhalb der Polizei Sachsen Sexismus gibt. Menschen werden wegen ihres Geschlechts abgewertet, benachteiligt oder sexuell belästigt.

Eine Polizistin berichtete den Forschenden beispielsweise von einem Kollegen, der sie ungefragt am Schreibtisch massierte. Selbst als sie ihn aufforderte aufzuhören, machte er weiter. Andere Befragte erzählten von anzüglichen Sprüchen, unerwünschten Berührungen und Benachteiligungen im Dienst.

Für die Untersuchung führten die Forschenden 23 ausführliche Gespräche mit Beamtinnen und Beamten verschiedener Dienstgrade und Aufgabenbereiche. "Polizeiarbeit lebt von Vertrauen", sagt Landespolizeipräsident Jörg Kubiessa. Deshalb müsse die Polizei auch auf sich selbst schauen.

Wenn Übergriffe als Scherz gelten

Die Interviews zeigen, warum es Betroffenen schwerfallen kann, sich gegen Sexismus zu wehren. Manche lachen über anzügliche Bemerkungen hinweg oder versuchen, sie zu ignorieren. Andere fragen sich zunächst, ob sie überempfindlich reagieren. Denn was sie als verletzend empfinden, wird von Kollegen mitunter als harmloser Scherz dargestellt.

Hinzu kommt die Angst vor den Folgen einer Beschwerde. Polizistinnen und Polizisten sind auf ihre Kollegen angewiesen, im Einsatz müssen sie sich aufeinander verlassen können. Wer einen Vorfall anspricht, riskiert möglicherweise, innerhalb der Gruppe ausgegrenzt zu werden. Auch die Abhängigkeit von Vorgesetzten kann eine Rolle spielen. Dabei machen die Betroffenen unterschiedliche Erfahrungen. Einige berichten von fehlender Unterstützung oder davon, dass sie nicht wussten, an wen sie sich wenden sollten. Andere schildern, wie Vorgesetzte ihre Beschwerden ernst nahmen und ihnen halfen.

Sexismus lasse sich nicht allein durch das Fehlverhalten einzelner Menschen erklären, betont Mitautorin Sophia Weißer von der Universität Leipzig. Entscheidend seien auch die Bedingungen innerhalb der Polizei. Dazu zählen die Rangordnung, der enge Zusammenhalt unter Kollegen und eine stark von Männern geprägte Organisationskultur.

Dass solche Probleme nicht auf Sachsen beschränkt sind, zeigen andere Untersuchungen. In einer 2024 veröffentlichten bundesweiten Polizeistudie berichteten etwa 40 Prozent der Befragten, innerhalb eines Jahres sexistische Äußerungen von Kollegen mitbekommen zu haben.

Wie verbreitet ist Sexismus bei der Polizei?

Die Leipziger Studie liefert Einblicke in konkrete Erfahrungen und mögliche Ursachen. Wie häufig solche Vorfälle innerhalb der sächsischen Polizei vorkommen, lässt sich aus den 23 Interviews jedoch nicht ableiten. Das soll eine weitere Untersuchung klären. Das Sächsische Institut für Polizei- und Sicherheitsforschung, das zur Hochschule der Sächsischen Polizei gehört, hat dafür Beschäftigte befragt. Die Antworten werden derzeit ausgewertet. "Auch darüber werden wir die Öffentlichkeit informieren", sagt Institutsleiter Prof. Dr. Marcel Schöne.

Sexismus gebe es in der ganzen Gesellschaft, sagt Studienleiter Prof. Dr. Thomas Schmidt-Lux von der Universität Leipzig. Man müsse aber untersuchen, unter welchen Bedingungen er in einzelnen Organisationen auftritt. "Unsere Studie zeigt das für die Polizei Sachsen konkret auf und bietet vielerlei Ansatzpunkte für passgenaue Maßnahmen."

Die Polizei will nun ihre Melde- und Unterstützungsangebote überprüfen und verbessern. Führungskräfte sollen Betroffene besser unterstützen und Fehlverhalten konsequent ahnden. Ob die Maßnahmen den Umgang innerhalb der Polizei verändern, wird sich erst zeigen.


Originalpublikation:
Thomas Schmidt-Lux, David Czudnochowski, Marcel Schöne und Christoph Meißelbach (Hrsg.): Sexismus im Dienst. Der polizeiliche Alltag und sexistische Diskriminierung. Schriftenreihe Polizei & Wissenschaft, Verlag für Polizeiwissenschaft, 2026. ISBN 978-3-86676-983-0.