Was Werbefilme für Laborfleisch verschweigen
Fleisch essen, ohne Tiere zu töten: Das versprechen die Hersteller. Forschende aus Leipzig haben 41 ihrer Werbevideos untersucht. Sie zeigen, was dabei ausgeblendet wird.
Ein saftiges Steak, für das kein Rind sterben musste. Damit werben Firmen weltweit für Fleisch aus dem Labor. Dafür entnehmen sie einem Tier ein paar Zellen. Die sollen sich in großen Behältern vermehren, sogenannten Bioreaktoren. In Werbefilmen auf YouTube wirkt die Produktion von Laborfleisch sauber, modern und gut fürs Klima. Ist das so?
Forschende aus Leipzig und Berlin haben genau hingeschaut. Sie wollten wissen, mit welchen Bildern und Geschichten die Firmen Verbrauchern ihre Technik schmackhaft machen wollen.
Von der Zelle direkt auf den Grill
Frank Meyer und Judith Miggelbrink vom Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL) in Leipzig werteten gemeinsam mit Frank I. Müller von der Freien Universität Berlin 41 Werbevideos aus. Miggelbrink leitet das IfL und lehrt an der Universität Leipzig. Die Videos stammen von Firmen, die Fleisch, Fisch oder Milchprodukte aus Zellkulturen herstellen wollen.
Das Team fand sechs Erzählmuster, die in den Filmen immer wieder auftauchen. Menschen in weißen Kitteln stehen für Sicherheit. Firmenchefs und bunte Grafiken erklären die Technik. Die Kamera springt von der Zelle unter dem Mikroskop zur Familie am Grill und weiter zur Erde aus dem All. Grüne Weiden erinnern an eine heile Vergangenheit. Tiere bekommen Namen, etwa ein Huhn namens Ian. Die Botschaft lautet ganz klar: Man kann weiter Fleisch essen, aber ohne schlechtes Gewissen.
Die Fabrik fehlt im Bild
Auffällig ist, was die Filme meist weglassen. Zwischen Labor und Küche fehlt die große Fabrik. Doch genau dort liegen viele offene Fragen. Wie viel Energie braucht die Massenproduktion? Wer baut die Anlagen? Und wer erlaubt den Verkauf?
In der EU ist Laborfleisch bislang nicht zugelassen. Auch seine Klimabilanz ist noch unklar. Wie umweltfreundlich die Herstellung wäre, hängt unter anderem vom Energieverbrauch und den eingesetzten Verfahren ab. Manche Berechnungen sehen Vorteile gegenüber herkömmlichem Rindfleisch, besonders wenn erneuerbare Energien genutzt werden.
Forschende der University of California, Davis, warnten dagegen 2023 in einer damals noch nicht begutachteten Untersuchung, dass Laborfleisch unter bestimmten Produktionsbedingungen sogar klimaschädlicher sein könnte als Rindfleisch.
Branche mit Problemen
Hinzu kommen wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die Branche hat deutlich weniger Geld zur Verfügung als noch vor wenigen Jahren. Mit Believer Meats und Meatable stellten Ende 2025 sogar zwei Unternehmen ihren Betrieb ein, deren Werbefilme die Forschenden untersucht hatten.
Die Studie zeigt nicht, ob die Werbung tatsächlich Meinungen verändert. Sie zeigt aber, wie Unternehmen eine mögliche Zukunft als glaubwürdig und erstrebenswert darstellen. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Wettbewerb um die Zukunft der Proteinversorgung nicht allein in Laboren und Bioreaktoren stattfindet, sondern auch in Bildern, Geschichten und Versprechen", sagt Judith Miggelbrink.
Ob Laborfleisch tatsächlich hält, was die Unternehmen versprechen, ist noch lange nicht geklärt. Die Studie zeigt aber, wie sie versuchen, Menschen von dieser Zukunft zu überzeugen.
Originalpublikation:
Müller, F. I., Meyer, F. & Miggelbrink, J. (2026). From lab to table: promissory narratives and the future of protein production in response to global crises. Geographica Helvetica, 81(3), 463–479.