Start / Themen / Erzgebirge: Hubschrauber kartiert Zinnvorkommen ohne Bohrungen
Umwelt & Klima

Zinn im Erzgebirge: Hubschrauber sucht nach Lagerstätten

Ein Hubschrauber kreist aktuell über der Region um Gottesberg im Erzgebirge. Mit einer speziellen Sonde vermessen Forschende der TU Bergakademie Freiberg Zinn-Lagerstätten tief unter dem Erzgebirge.

Vorlesen 0:00
Hubschrauber bei Messflügen über dem West-Erzgebirge
Mit einem Hubschrauber erkunden Forschende Zinn-Lagerstätten im West-Erzgebirge aus der Luft. © TUBAF

Ohne Zinn funktioniert moderne Technik kaum. Der Rohstoff steckt in Smartphones, Computerchips und vielen Alltagsgeräten. Im Erzgebirge schlummern Zinnvorkommen teils tief unter der Erde. Ein Team der TU Bergakademie Freiberg untersucht jetzt eine solche Lagerstätte genauer. Bis zum 12. September fliegt ein Hubschrauber der Bundesgesellschaft für Geowissenschaften und Rohstoffe über die Region um Gottesberg im West-Erzgebirge. Am Boden verlaufen kilometerlange Stromkabel. Gemeinsam mit dem Hubschrauber kartiert das Team den Untergrund. Ziel ist ein präzises 3D-Modell der Zinnvorkommen. 

Die Sonde am Hubschrauber enthält hochsensible Magnetfeldsensoren. Die Stromkabel am Boden senden elektrische Signale aus, die wiederum leitfähige Erzkörper im Untergrund beeinflussen. Die Sensoren messen die daraus entstehenden Magnetfelder aus der Luft. Fachleute nennen das Verfahren Semi-Airborne-Elektromagnetik. Es gilt als umweltschonend, weil keine Bohrungen nötig sind. Die Methode wurde bereits im Harz, in Schweden, Spanien und Namibia getestet. Nun kommt eine Weiterentwicklung erstmals im Erzgebirge zum Einsatz. 

Neue Wege für umweltschonende Rohstofferkundung 

"Das Erzgebirge ist mit Bohrungen und geochemischen Daten punktuell schon gut erkundet, allerdings fehlt es an dreidimensionalen Modellen besonders für große Tiefen", erklärt Thomas Günther, Professor für Angewandte Geophysik an der TU Bergakademie Freiberg. Solche Modelle lassen sich indirekt über die elektrische Leitfähigkeit des Untergrunds erstellen und bieten präzisere Ansatzpunkte für Bohrungen. Erste Ergebnisse erwartet das Team im Herbst 2026. 


Oben der Hubschrauber, unten die an ihm befestigte Sonde. © TUBAF

Mit Semi-Airborne-Elektromagnetik lassen sich elektrische Eigenschaften von Gestein und Sedimenten über große Flächen und bis in 1.000 Meter Tiefe erfassen – ohne zu bohren. Eine speziell entwickelte Software wandelt die Messdaten in dreidimensionale Modelle der elektrischen Leitfähigkeit um. Diese Modelle zeigen, wo Erzgänge im Untergrund verlaufen könnten. Ergänzend fließen KI-gestützte Prognosen sowie weitere geophysikalische, geologische und geochemische Daten in die Auswertung ein. 

Von der Forschung in die Praxis

"Zusammen mit Daten aus existierenden Bohrungen erzeugen wir bis zum Frühjahr 2027 belastbare 3D-Modelle“, sagt Günther. Diese Modelle ermöglichen genauere Prognosen über die Lagerstätten, die durch weitere Bohrungen überprüft werden können. Im August 2027 folgt ein weiterer Flug, diesmal mit Fokus auf das Projektgebiet Hämmerlein-Tellerhäuser. 


Die Sonde mit hochsensiblen Magnetfeldsensoren. © TUBAF

Das Projekt DESMEX-MinD soll das Verfahren für die industrielle Nutzung weiterentwickeln. Unternehmen aus der Region, darunter Beak Consultants und Saxore Bergbau, sind beteiligt. Die präziseren Informationen über Lagerstätten sollen künftig helfen, heimische Rohstoffvorkommen gezielter zu erschließen.