Datenlücken in der Antarktis erschweren Meeresspiegel-Prognosen
Wie stark die Antarktis künftig zum Anstieg des Meeresspiegels beiträgt, lässt sich nur schwer vorhersagen. Eine internationale Studie mit Beteiligung der TU Dresden zeigt, welche Messdaten an der Küste fehlen und warum sie so wichtig sind.
Wie stark wird der Meeresspiegel künftig steigen? Die Antarktis spielt dabei eine Schlüsselrolle. Doch gerade an ihrer Küste fehlen wichtige Messdaten. Eine internationale Studie zeigt, warum diese Lücken Prognosen zum Meeresspiegelanstieg erschweren.
80 Forschende aus 16 Ländern haben zusammengetragen, was über die antarktische Küstenzone bekannt ist – und wo entscheidende Daten fehlen. Die Übersichtsarbeit erschien im Fachjournal "Reviews of Geophysics". Dr. Mirko Scheinert von der TU Dresden zählt zu den Autoren. Weitere deutsche Beiträge kommen aus Kiel, Bremen, Tübingen, Erlangen, Bremerhaven und Hannover.
Küste entscheidet über Eisverlust
An der antarktischen Küste stößt das Eis des Kontinents auf den Ozean. Besonders wichtig ist die Zone, in der sich das Eis vom festen Untergrund löst und zu schwimmen beginnt. Vorgänge in diesem Bereich bestimmen, wie viel Eis vom Kontinent ins Meer gelangt. "In der Küstenzone der Antarktis treffen Ozean, Eis, Atmosphäre und der darunterliegende Meeresboden aufeinander – daher spielt sie eine zentrale Rolle bei der Vorhersage des künftigen Meeresspiegelanstiegs",sagt Kenichi Matsuoka, Leiter der Forschungsgruppe RINGS. Die wenigen Beobachtungen in dieser Region hinterlassen entscheidende Wissenslücken.
Messungen der vergangenen Jahrzehnte zeigen: Die Antarktis verliert zunehmend Eis. Dabei schmilzt nicht nur Eis an der Oberfläche. Auch der Ozean und die Bewegung des Eises an den Rändern des Eisschilds spielen eine wichtige Rolle. Satelliten erfassen gut, wie sich das Eis an der Oberfläche bewegt und verändert. Was unter dem Eis liegt, bleibt ihnen jedoch verborgen. Gerade die Form des Untergrunds und des Meeresbodens ist aber entscheidend, um die Bewegung des Eises zu verstehen und Modelle zu verbessern.
„Wir können uns nicht allein auf Satellitendaten verlassen, um den Massenverlust des antarktischen Eisschilds abzuschätzen. Ebenso können wir nicht nur Computermodelle nutzen, um zukünftige Veränderungen vorherzusagen“, sagt Mirko Scheinert von der TU Dresden.
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Um die Datenlücken zu schließen, fordern die Forschenden mehr internationale Abstimmung. Kein Land kann die nötigen Messungen in der gesamten Küstenzone allein leisten. Ohne Koordination untersuchen manche Teams einzelne Gebiete mehrfach, während anderswo weiterhin Daten fehlen.
Die internationale Arbeit koordiniert die RINGS-Aktionsgruppe des Scientific Committee on Antarctic Research. Unterstützung kommt vom Council of Managers of National Antarctic Programs, das etwa bei der Planung von Messkampagnen hilft. Die neue Übersicht zeigt, wo besonders wichtige Daten fehlen und Messungen besser aufeinander abgestimmt werden sollten. Solche internationalen Projekte könnten laut Matsuoka auch als Ausgangspunkt für weitere Forschungsprogramme im nächsten Internationalen Polarjahr 2032/33 dienen.