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Wissen für alle: Warum es jetzt Wissensland gibt

Mit Wissensland startet ein neues Onlinemedium für Forschungs- und Innovationsthemen aus Sachsen. Warum das gerade jetzt wichtig ist, erklärt Gründerin Jana Mundus in diesem Kommentar.

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Porträt der Journalistin Jana Mundus, die Wissensland gegründet hat.
Jana Mundus, Gründerin von Wissensland.

Naturwissenschaften und ich, das war lange keine enge Beziehung. In der Schule war ich in einer Sprachklasse, lernte Englisch, Französisch und Russisch. Ich liebte Geschichte, begeisterte mich für Deutsch und diskutierte gern in Ethik. Dass ich einmal beruflich über Physik, Medizin, Biologie oder neue Materialien schreiben würde, war nicht mein Plan. 

In den Wissenschaftsjournalismus bin ich eher zufällig geraten. Als eine Redaktion eine freie Journalistin für diesen Bereich suchte, hatte ich Zweifel, ob mein naturwissenschaftliches Verständnis dafür ausreicht. Der Ressortchef sah darin einen Vorteil: "Du stellst genau die Fragen, die andere Menschen auch haben." 

Er sollte recht behalten. In Interviews frage ich so lange nach, bis ich das Thema wirklich verstanden habe. Die Sorge, dass das dumm oder unprofessionell wirken könnte, habe ich längst abgelegt. Beim Recherchieren und Schreiben denke ich oft an meine Oma, die auch mit über 90 jeden meiner Artikel liest. Auch sie soll verstehen, worum es geht.

Und ich habe über die Jahre selbst entdeckt, wie faszinierend Forschung sein kann. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Besuch in einem Speziallabor. Durch ein Elektronenmikroskop konnte ich dort einzelne Atome erkennen. Bis dahin kannte ich sie vor allem als schematische Darstellungen aus dem Physikbuch. Plötzlich wurde etwas sichtbar, das für mich bis dahin vollkommen abstrakt gewesen war.

Solche Momente haben meinen Blick auf Wissenschaft verändert. Ich habe erlebt, mit welcher Ausdauer Menschen an Forschungsfragen arbeiten. Und ich habe gesehen, wie vielfältig allein die Forschung in Sachsen ist. 

Was stimmt? Orientierung in der Informationsflut

Wissenschaft beschäftigt sich mit vielen großen Fragen unserer Zeit. Wie behandeln wir Krankheiten besser? Wie gehen wir mit dem Klimawandel um? Woher kommt in Zukunft unsere Energie? Wie können neue Technologien unser Leben erleichtern und wo schaffen sie Probleme? Forschende treibt die Neugier und der Wille, solche Probleme zu verstehen und Lösungen für sie zu finden. 

Gleichzeitig haben Wissenschaft und Journalismus heute ein gemeinsames Problem. Ein Teil der Gesellschaft vertraut ihnen nicht mehr. Auch, weil es in der Informationsflut immer schwerer wird, verlässliche Informationen von falschen Behauptungen zu unterscheiden. Noch nie war es so einfach, Informationen zu veröffentlichen. Jeder kann Inhalte produzieren, die viele Menschen erreichen. Zwischen all diesen Informationen müssen wir jeden Tag entscheiden: Was ist belegt? Was ist Meinung? Was ist falsch verstanden und was einfach nur erfunden? 

Deshalb brauchen wir Orte, an denen Informationen geprüft, eingeordnet und verständlich erklärt werden. Wissensland soll so ein Ort sein. Es ist ein Schaufenster in die sächsische Forschung. Nicht nur für Menschen, die bereits wissen, was Quantencomputer, Genscheren oder Nanomaterialien sind. Sondern gerade für diejenigen, die es noch nicht wissen. Denn die Fragen hinter der Forschung gehen uns alle etwas an. Sie betreffen unsere Zukunft.

Wissenschaftsjournalismus muss erreichbar bleiben 

Umso problematischer finde ich es, dass ausgerechnet der Wissenschaftsjournalismus vielerorts weniger Raum bekommt. Redaktionen stehen unter wirtschaftlichem Druck. Wissenschaftsressorts werden verkleinert oder verschwinden. Dabei werden die Themen nicht weniger. 

Deshalb gibt es jetzt Wissensland. Ein neues Medium, das Platz für Wissenschaftsthemen schafft. Schon von Anfang an stand für mich fest: Auf Wissensland sollen sich alle informieren können. Ganz ohne Abo und ohne Bezahlschranke.

Wie aber finanziert man guten Journalismus, wenn die Leserschaft nichts dafür bezahlt? Meine Antwort hat in den vergangenen Monaten bei Kolleginnen und Kollegen im Journalismus immer wieder für überraschte Blicke gesorgt. Eine Säule der Finanzierung sind wissenschaftliche Einrichtungen und forschende Unternehmen. Sie können Wissensland unterstützen und tragen damit einen Teil der Kosten für die Infrastruktur. 

Wie unabhängig kann Wissensland sein?

Dass dieses Modell Fragen nach der journalistischen Unabhängigkeit aufwirft, ist richtig. Sie muss ohne Abstriche bewahrt werden. Das zu versprechen, reicht nicht. Die Trennung ist deshalb vertraglich festgeschrieben. Unterstützende Einrichtungen und Unternehmen können nicht darüber bestimmen, worüber Wissensland berichtet, was in einem Artikel steht oder wie Forschung journalistisch eingeordnet wird. Auch kritische Berichterstattung gehört ausdrücklich dazu. Wer Wissensland finanziell unterstützt, wird öffentlich genannt. Ein unabhängiger Beirat begleitet Wissensland zusätzlich kritisch. 

Als ich vor vielen Jahren zum ersten Mal über Wissenschaft schreiben sollte, dachte ich, die vielen Fragen in meinem Kopf wären ein Problem. Daraus ist jedoch etwas entstanden, das meine Arbeit bis heute prägt. Die Wissenschaft hat mich irgendwann gefunden. Ich hoffe, dass nun möglichst viele Menschen aus Sachsen und darüber hinaus auf Wissensland Geschichten finden, die sie überraschen, ihnen etwas erklären, sie zum Nachdenken bringen und manchmal vielleicht sogar Hoffnung machen. 

Forschung soll keine Welt bleiben, die nur diejenigen verstehen, die selbst zu ihr gehören.

Herzlich willkommen im Wissensland!