Dresdner Raketen-Startup RATLOG schafft Sprung ins Silicon Valley
Vier Studenten der TU Dresden wollen wiederverwendbare Schwerlastraketen entwickeln. Ihr Startup RATLOG arbeitet an einem Triebwerk, das mit deutlich weniger Bauteilen auskommen soll. Jetzt wurden die Gründer in eines der bekanntesten Startup-Programme der Welt aufgenommen.
Ohne Satelliten sähe unser Alltag anders aus. Satelliten weisen unserem Navi den Weg. Sie liefern Daten für den Wetterbericht oder bringen Fernsehbilder ins heimische Wohnzimmer. Doch jeder Satellit braucht eine Rakete, die ihn ins All trägt. Weil immer mehr Satelliten in die Erdumlaufbahn soll, sind zusätzliche Startkapazitäten und Raketen gefragt.
Vier Studenten der Technischen Universität Dresden (TUD) wollen mit ihrem Startup RATLOG genau dafür sorgen. Jetzt wurden sie in den Y Combinator in San Francisco aufgenommen, eines der bekanntesten Förderprogramme für junge Unternehmen weltweit. Charlie Weise und Paul Kunhart studieren Luft- und Raumfahrttechnik, Felix Kelm Elektrotechnik und Matty Driesnack Betriebswirtschaftslehre. 2025 gründeten die vier ihre Firma. Sie wollen wiederverwendbare Schwerlastraketen entwickeln, die große Nutzlasten ins All bringen können.
Dafür arbeiten sie an einem neuartigen Triebwerk. Es soll mit bis zu 90 Prozent weniger Bauteilen auskommen als herkömmliche Konstruktionen. Das könnte die Herstellung deutlich einfacher und günstiger machen.
Nach wenigen Monaten hatte das Team einen ersten funktionsfähigen Prototyp entwickelt und erfolgreich getestet. Was genau bei diesem Versuch erprobt wurde und wie leistungsfähig die Technik bereits ist, geht aus den Angaben der TU Dresden nicht hervor. Erste potenzielle Kunden haben Absichtserklärungen für künftige Raketenstarts abgegeben. Unterstützung bekamen die Gründer unter anderem durch Thomas Kirchner und das Dresdner Förderprogramm YETI Fellowship.
Europa sucht neue Raketen
An möglichen Kunden dürfte es der Raumfahrtbranche nicht mangeln. 2025 gab es weltweit 329 Versuche, eine Erdumlaufbahn zu erreichen – so viele wie nie zuvor. Rund die Hälfte entfiel auf das US-Unternehmen SpaceX. Dessen Falcon-9-Raketen können nach dem Flug teilweise wiederverwendet werden. Das senkt die Kosten weiterer Starts.
Europa hat bislang keine vergleichbaren wiederverwendbaren Orbitalraketen im regulären Einsatz. Die Europäische Weltraumorganisation ESA unterstützt deshalb neue Raketenunternehmen, um unabhängiger von anderen Raumfahrtnationen zu werden.
Im September gelang dem Münchner Unternehmen Isar Aerospace ein Durchbruch. Seine Rakete Spectrum brachte von Norwegen aus erstmals Satelliten mit einer kommerziellen Rakete vom europäischen Festland in eine Erdumlaufbahn. Spectrum ist allerdings für kleinere Nutzlasten ausgelegt und bislang nicht wiederverwendbar.
Vom Hörsaal ins Silicon Valley
Für die vier Dresdner Gründer geht es vorerst nicht um einen Raketenstart, sondern um die Weiterentwicklung ihrer Technik und die Finanzierung ihres Unternehmens. Dabei soll ihnen der Y Combinator helfen. Das US-Programm investiert nach seinen regulären Konditionen 500.000 Dollar in jedes aufgenommene Startup und unterstützt die Teams mit Beratung und Kontakten zu Investoren.
"Vor zwei Jahren habe ich in der Vorlesung ,Finanzieren mit Venture Capital‘ von Prof. Schefczyk zum ersten Mal vom Y Combinator gehört. Dass wir heute selbst Teil davon sind, ist schon etwas Besonderes", sagt Mitgründer Matty Driesnack. Venture Capital ist Wagniskapital. Investoren geben jungen Unternehmen Geld, obwohl noch ungewiss ist, ob deren Geschäftsidee Erfolg haben wird.
Derzeit arbeiten die vier im Silicon Valley an ihrer Technologie, suchen weitere Kunden und bereiten die nächste Finanzierungsrunde vor. Im Dezember steht der sogenannte Demo Day an. Dort stellen sie ihr Unternehmen internationalen Investoren vor.
Bis die erste RATLOG-Rakete abhebt, dürfte noch einige Zeit vergehen. Bisher hat das Team einen Prototyp getestet. Im Dezember muss es zunächst eine ganz andere Aufgabe meistern: internationale Investoren von seiner Idee überzeugen.