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Frauenfußball: Weniger Geld, mehr sportliche Wirkung

Frauenteams holen gemessen am Wert ihrer Mannschaft deutlich mehr Tabellenpunkte als Männerteams. Warum das gerade für Investoren interessant sein könnte, zeigt eine Leipziger Studie.

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Fußballspielerin während eines Spiels
Im Frauenfußball holen Mannschaften gemessen am Wert ihres Kaders deutlich mehr Tabellenpunkte als Männerteams, zeigt eine Studie der HHL Leipzig. © Lustre Art Group/stock.adobe.com

Fußballfans kennen das Gefühl. Der eigene Verein gibt Millionen für neue Spieler aus, aber die Tabelle verändert sich kaum. Eine neue Studie aus Leipzig zeigt jetzt, wie stark der Wert eines Kaders mit dem sportlichen Erfolg zusammenhängt. Julia Kolba und Prof. Dr. Henning Zülch von HHL Leipzig Graduate School of Management haben 100 Teams aus sechs europäischen Top-Ligen untersucht. Gemessen am Kaderwert holen Frauenteams demnach erheblich mehr Tabellenpunkte als Männerteams. Im direkten Vergleich innerhalb derselben Vereine liegt der mittlere Unterschied beim Faktor 106.

Für die Studie verglichen die Forschenden den Kaderwert der Teams vor Saisonbeginn mit den Punkten am Saisonende. Der Kaderwert ist der geschätzte Marktwert aller Spielerinnen oder Spieler einer Mannschaft zusammen. Daraus berechneten sie eine Kennzahl, nämlich erzielte Punkte pro Million Euro Kaderwert. Untersucht wurden die ersten Frauen- und Männerligen in Deutschland, England und Spanien der Saison 2025/26,  also insgesamt 42 Frauen- und 58 Männerteams. Die Kaderwerte stammen von Transfermarkt und Soccerdonna. Sie zeigen also nicht, wie viel Geld ein Verein tatsächlich für seine Mannschaft ausgegeben hat.

Kaderwert hängt mit sportlichem Erfolg zusammen

In allen sechs Ligen zeigt sich ein klares Muster. Je höher der Kaderwert, desto mehr Punkte holt eine Mannschaft tendenziell. Je nach Liga lassen sich 45 bis 85 Prozent der Unterschiede bei den erreichten Punkten statistisch mit den unterschiedlichen Kaderwerten in Verbindung bringen. In den Frauenligen ist dieser Zusammenhang mit 75 bis 85 Prozent noch deutlicher als bei den Männern.

Am schwächsten ist der Zusammenhang in der Premier League der Herren. Dort liegt der Wert bei 45 Prozent. Die Forschenden interpretieren das so: Wo alle Klubs bereits Spieler mit hohem Marktwert haben, unterscheidet dieser Faktor die Vereine weniger stark voneinander.

Frauenkader holen mehr Punkte aus ihrem Marktwert

Besonders deutlich wird der Unterschied beim Vergleich innerhalb einzelner Vereine. In allen 29 untersuchten Klubs mit Frauen- und Männerteam holte das Frauenteam mehr Punkte pro Million Euro Kaderwert. Bei Real Madrid zum Beispiel war dieser Wert beim Frauenteam 140-mal so hoch wie beim Männerteam. Das heißt: Gemessen am Wert der Mannschaft holten die Frauen für dieselbe Million Euro Kaderwert 140-mal so viele Tabellenpunkte.

Real Madrid ist dabei kein Einzelfall. Bei allen 29 Vereinen zeigte sich dieser Unterschied. Am kleinsten war er bei Levante aus Valencia mit Faktor 13, am größten bei Tottenham mit Faktor 225. Der Median lag bei 106. Bei der einen Hälfte der Vereine war der Unterschied also kleiner, bei der anderen größer. Der Faktor 106 bedeutet allerdings nicht, dass ein zusätzlich investierter Euro im Frauenfußball automatisch 106-mal mehr sportlichen Erfolg bringt. Darauf weisen die Autoren der Studie selbst hin. Die Kennzahl setzt lediglich den aktuellen Kaderwert ins Verhältnis zu den erreichten Tabellenpunkten.

Die Autoren sehen in den Ergebnissen dennoch ein derzeit günstiges Umfeld für Investitionen in Frauenmannschaften. "Sportlicher Erfolg im Frauenfußball ist deutlich weniger kapitalintensiv als im Männerfußbal", sagt Prof. Dr. Henning Zülch, Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungslegung, Wirtschaftsprüfung und Kapitalmarktkommunikation der HHL. "Wer jetzt in Frauenkader investiert, sichert sich einen Wettbewerbsvorteil in einem Markt, der Investitionen noch zuverlässig belohnt." Ob solche Investitionen auch finanziell rentabel sind, untersucht die Studie allerdings nicht.


Originalpublikation:
Julia Kolb, Henning Zülch: Vom Marktwert zum Wettbewerbsvorteil: Warum Frauenfußball noch effiziente Investitionen belohnt. HHL Leipzig Graduate School of Management, Leipzig 2026.