Vorhofflimmern: Behandlung wirkt – aber anders als gedacht
Ein Eingriff soll die Herzrhythmusstörung stoppen und damit auch das Leben der Betroffenen verbessern. Eine Studie unter Leipziger Leitung zeigt: So einfach ist der Zusammenhang nicht.
Vorhofflimmern ist die weltweit häufigste Herzrhythmusstörung. Zu den Symptomen gehören ein unregelmäßiger und oft schneller Herzschlag, Herzstolpern und Luftnot bei körperlicher Belastung. Die Erkrankung erhöht das Risiko für Schlaganfälle und Tod. Ärzte behandeln Vorhofflimmern häufig mit einer Katheterablation. Dabei führen sie einen Katheter über eine Vene in der Leiste bis zum linken Herzvorhof. Dort veröden sie kleine Bereiche des Herzgewebes, um die elektrischen Fehlsignale zu unterbrechen, die den unregelmäßigen Herzschlag auslösen.
Weltweit führen Ärzte jährlich mehr als 500.000 solcher Eingriffe durch. Ein Forschungsteam der Universitätsmedizin Leipzig, des Deutschen Herzzentrums der Charité (DHZC) Berlin und des Herzzentrums Leipzig untersuchte, wie stark die Katheterablation die Lebensqualität der Patienten verbessert. Das Ergebnis überrascht.
Echte Behandlung vs. Scheinverfahren
Das Team führte eine Studie mit 262 Patienten in neun Kliniken in Deutschland und Polen durch. Die Forschenden teilten die Patienten zufällig in zwei Gruppen ein. Eine erhielt die echte Katheterablation, während die andere nur einen Gefäßzugang ohne den eigentlichen Eingriff bekam. Weder die Patienten noch das medizinische Team wussten, wer welche Behandlung erhielt. Vor und nach sechs Monaten füllten alle Patienten einen Fragebogen zur Lebensqualität aus.
Nach sechs Monaten zeigte sich, dass die Lebensqualität nach einer echten Ablation nicht stärker verbessert war als nach einem Scheinverfahren. Beide Gruppen berichteten zu etwa 80 Prozent über eine Verbesserung ihrer Lebensqualität. "Unsere Daten zeigen: Der Großteil der von Patientinnen und Patienten berichteten Besserung geht offenbar nicht auf die Katheterablation selbst zurück, sondern etwa auf einen Placebo-Effekt oder eine begleitend angepasste Medikation", sagt Studienleiter Prof. Dr. Rolf Wachter von der Universität Leipzig.
Veröden verhindert Vorhofflimmern häufiger
Die Katheterablation hatte trotzdem einen klaren Effekt. Nach sechs Monaten waren 73 Prozent der behandelten Patienten frei von Vorhofflimmern. In der Gruppe mit dem Scheinverfahren waren es 52 Prozent. Bei der Lebensqualität zeigte sich dieser Unterschied jedoch nicht. „An der grundsätzlichen Wirksamkeit der Katheterablation gegen das Wiederauftreten von Vorhofflimmern ändern die Ergebnisse nichts“, sagt Patrick Haag, ärztlicher Koordinator der Studie am Herzzentrum Leipzig.
Die Behandlung hilft also dabei, Vorhofflimmern zu verhindern. Warum sich die Lebensqualität nach dem Eingriff trotzdem nicht stärker verbessert, wollen die Forschenden nun genauer untersuchen. Dabei interessiert sie auch, ob bestimmte Patientengruppen stärker profitieren als andere. Die Nachbeobachtung nach zwölf Monaten läuft noch.
Originalpublikation:
Wachter R, Haag P, Uhe T et al. Catheter ablation for symptomatic atrial fibrillation (PVI-SHAM-AF): a randomised, double-blind, sham-controlled, multicentre trial,
The Lancet, 2026.