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Zufallsfund vom Mond: Seltenes Mondgestein erforscht

Bei einem privaten Museumsbesuch entdeckte ein Freiberger Foscher eine seltene Probe Mondgestein. An der TU Freiberg kam die Probe ins CT.

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Ralf Ditscherlein und zwei Kolleginnen mit der seltenen Mondgesteinprobe und vergrößerten 3D-Modellen der Mondstaubpartikel.
Ralf Ditscherlein (M.) und seine Kolleginnen brauchten die Mondprobe ins Museum zurück. Dabei hatten sie auch gedruckte 3D-Modell der feinen Partikel. © TUBAF/S. Mongoljiibuu

Eigentlich wollte Ralf Ditscherlein nur eine Raumfahrtausstellung besuchen. Doch zwischen den Exponaten in Morgenröthe-Rautenkranz im Vogtland entdeckte der Wissenschaftler der TU Bergakademie Freiberg (TUBAF) etwas, das für seine Forschung besonders wertvoll war: eine seltene Probe Mondgestein. Sie stammt von der sowjetischen Raumfahrtmission Luna 16, die 1970 Material vom Mond zur Erde brachte. Ditscherlein fragte nach, ob er die Probe untersuchen dürfe. Aus dem Zufallsfund wurde ein Forschungsprojekt.

Das Material heißt Regolith. Es besteht aus Staub und kleinen Gesteinsstücken, die die Mondoberfläche bedecken. Bisher wurden nur rund 380 Kilogramm solcher Proben vom Mond zur Erde gebracht. Für Experimente nutzen Forschende deshalb häufig künstliche Nachbildungen aus irdischem Gestein. Doch die haben ihre Grenzen. "Form, Größe oder Zusammensetzung des Regoliths wären wichtig, aber sogenannte Simulantien können immer nur einige Eigenschaften wiedergeben, niemals alle zusammen" sagt Ditscherlein, der wissenschaftlicher Mitarbeiter Institut für Mechanische Verfahrenstechnik und Aufbereitungstechnik ist.

Seltener Mondstaub im Röntgenblick

Das Freiberger Team untersuchte die Probe mit einem Röntgen-Computertomografen, ähnlich wie bei einer CT-Untersuchung im Krankenhaus. "Für die Untersuchung mit dem CT muss die Probe nicht aus dem Probengefäß entnommen werden. Das war entscheidend dafür, dass wir sie überhaupt ausleihen konnten", erklärt der Forscher.

Die Wissenschaftler konnten Form und Größe von rund 150 Staubkörnern bestimmen. Aus den Aufnahmen entstanden außerdem dreidimensionale Modelle, die bis zu 1500-mal größer sind als die Originalteilchen. Im Sommer 2026 brachten die Wissenschaftler die Probe und die Modelle zurück in die Ausstellung.

Sauerstoff aus Mondgestein gewinnen

Doch warum interessiert sich die Forschung überhaupt dafür, welche Form Mondstaubkörner haben? Das lässt sich mit Mehl und Zucker vergleichen: Während Zucker meist gut rieselt, kann Mehl verklumpen. Wie sich solche Materialien verhalten, hängt unter anderem von der Größe und Form ihrer Körner ab.

Auf dem Mond könnte das künftig wichtig werden. Denn Raumfahrtunternehmen und Forschungseinrichtungen arbeiten an Verfahren, mit denen sich dort vorhandene Rohstoffe nutzen lassen. Im Projekt MiniRoxy entwickeln Airbus und das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) in Dresden beispielsweise einen Reaktor, der Sauerstoff aus Mondgestein gewinnen soll. Auch die TU Bergakademie Freiberg ist beteiligt. Das Verfahren wurde bereits im Labor erprobt. Langfristiges Ziel ist ein Einsatz auf dem Mond.

Die neuen Daten aus Freiberg könnten helfen, solche technischen Verfahren besser zu untersuchen. Gemeinsam mit Forschenden der Universitäten Ulm und Braunschweig will das Team die Ergebnisse nutzen, um künstliche Ersatzmaterialien und Computermodelle zu verbessern. Die Daten sollen frei zugänglich veröffentlicht werden.

Wenige Körner, wertvolle Daten

Andere Forschungsteams haben bereits deutlich größere Mengen Mondstaub untersucht. In den USA wurden rund 14.000 Partikel aus Apollo-Proben vermessen. Eine chinesische Studie wertete sogar mehr als 700.000 Körner aus. 

Die Freiberger Untersuchung mit rund 150 Partikeln ist dagegen klein. Ihr besonderer Wert liegt in der seltenen Herkunft des Materials aus der Luna-16-Mission. "Wir sind sehr gespannt, welche Erkenntnisse wir aus dem Zufallsfund für diese und weitere Projekte gewinnen können", sagt der Freiberger Institutsleiter Prof. Urs Peuker.