Windräder vor der Haustür? Diese Karte liefert Fakten
Wo ist Platz für neue Windräder und Solarparks? Ein kostenloses Webtool aus Leipzig bewertet mögliche Standorte in ganz Deutschland. Es berücksichtigt Naturschutz, technische Voraussetzungen und sogar mögliche Einnahmen für die Gemeinden.
Ein Windrad am Ortsrand oder ein Solarpark auf dem Acker hinter dem Dorf. Solche Pläne sorgen in vielen Kommunen für hitzige Debatten. Ein neues Werkzeug aus der Forschung soll zeigen, was für und was gegen einen Standort spricht.
Das Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) hat jetzt den EE-Standortfinder online gestellt. EE steht für erneuerbare Energien. Die kostenlose Webanwendung zeigt, wo in Deutschland Flächen für Windräder und Solarparks infrage kommen. Entwickelt hat sie das UFZ gemeinsam mit dem Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit (RIFS) in Potsdam.
Grün, Gelb, Rot oder Grau
Viele Daten, die für die Standortwahl wichtig sind, gibt es bereits. Sie stammen jedoch aus unterschiedlichen Quellen und lassen sich ohne spezielle Kenntnisse nur schwer auswerten, erklärt Projektleiterin Nora Mittelstädt. Der Standortfinder bündelt diese Informationen. Auf einer Deutschlandkarte zeigt er mit vier Farben, wie gut eine Fläche aus rechtlicher, technischer und ökologischer Sicht geeignet ist. Grün bedeutet gute Voraussetzungen, Gelb mittlere und Rot eingeschränkte. Graue Flächen scheiden nach den berücksichtigten Kriterien aus.
Für Windräder prüft das Programm 54 Kriterien, darunter Schutzgebiete, Siedlungen und Straßen. Berücksichtigt werden auch mögliche Kollisionsgefahren für Brutvögel wie Rotmilan, Uhu oder Seeadler. Für Solarparks auf freiem Feld sind es 42 Kriterien. Dazu zählt, wie ertragreich der Boden für den Ackerbau ist.
Strom und Geld für die Kommune
Nutzer können ein Windrad oder einen Solarpark per Klick auf der Karte platzieren. Das Programm schätzt dann, wie viel Strom die Anlage im Jahr liefern würde. Außerdem zeigt es, welchen finanziellen Mehrwert die Anlage für die Standortgemeinde oder Kommunen in der Umgebung haben könnte.
Eine grüne Fläche bedeutet allerdings nicht automatisch, dass dort gebaut werden darf. Der Standortfinder ersetzt weder die konkrete Planung noch das Genehmigungsverfahren. Er solle vielmehr eine nachvollziehbare Grundlage für die Diskussion und Planung vor Ort liefern, erklärt Mittelstädt.
Das Angebot richtet sich an Kommunen und Planer, aber auch an interessierte Bürger. "Die Energiewende entscheidet sich auch vor Ort", sagt David Manske, der die Anwendung mitentwickelt hat. Mit dem Werkzeug lasse sich frühzeitig erkennen, wo gute Voraussetzungen bestehen und wo mögliche Konflikte liegen.
Forschende am RIFS untersuchen nun, wie sich der Standortfinder in der Praxis bewährt. Sie wollen wissen, ob er Konflikte früher sichtbar macht. Und ob Menschen spätere Entscheidungen dann eher akzeptieren. Gefördert hat das Projekt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.