Wie ein Bus ohne Fahrer unser Vertrauen gewinnt
Am Straßenrand verlassen wir uns auf den Blickkontakt mit Autofahrenden. Doch was passiert beim autonomen Fahren? Die TU Chemnitz und die TU Berlin haben das getestet.
Ein Fahrzeug rollt heran. Man steht am Straßenrand, sucht den Blick des Menschen am Steuer. Der nickt kurz. Also geht man los. Doch was, wenn gar niemand am Steuer sitzt? Wenn kein Augenkontakt möglich ist, niemand uns zunickt? Selbstfahrende Fahrzeuge sollen künftig durch unsere Städte fahren. Wie solche Begegnungen funktionieren, haben Forschende der Technischen Universität Chemnitz und der TU Berlin in diesem Sommer getestet.
Im Juli und August 2026 fuhr dafür ein automatisiertes Shuttle über das Gelände der TU Chemnitz an der Erfenschlager Straße. Beteiligt waren die Psychologie-Professur von Prof. Stefan Brandenburg und die Professur für Arbeitswissenschaft von Prof. Angelika Bullinger-Hoffmann. Beide gehören zum Chemnitz Center for Mobility. Partner war das Fachgebiet Kraftfahrzeuge der TU Berlin unter Prof. Steffen Müller.
Wer lenkt, spielte bei der Bewertung keine Rolle
In der ersten Studie spielten die Forschenden drei Varianten durch. Mal fuhr das Shuttle von allein, mal steuerte es ein Mensch an Bord. In der dritten Variante lenkte eine Person das Fahrzeug aus der Ferne, ähnlich wie bei einer Fernsteuerung. Fachleute sprechen von Teleoperation. Das Shuttle näherte sich den Testpersonen zudem unterschiedlich schnell. Danach bewerteten sie die Begegnung.
Insgesamt empfanden die Testpersonen die Begegnungen als sicher, entspannt und selbstbestimmt. Auch den Ablauf bewerteten sie als effizient. Fuhr das Shuttle schneller, fühlten sie sich etwas weniger sicher und entspannt. Gleichzeitig bewerteten sie die Begegnung als effizienter. Ob das Shuttle selbstständig, von einem Menschen an Bord oder aus der Ferne gesteuert wurde, spielte für ihre Wahrnehmung keine Rolle.
Auf das Bremsen kommt es an
Die zweite Studie drehte sich um eine Alltagsfrage. Wie soll ein selbstfahrendes Fahrzeug bremsen, wenn es einem Menschen den Vortritt lässt? Die Forschenden variierten die Art des Bremsens und den Abstand, in dem das Shuttle zum Stehen kam.
Beides machte einen Unterschied. Wie das Shuttle bremste und wo es zum Stehen kam, beeinflusste die Wahrnehmung der Testpersonen. Welche Bremsweise und welcher Abstand am besten ankamen, teilen die Forschenden bislang nicht mit. Die Ergebnisse sind noch vorläufig. Die Daten werden derzeit weiter ausgewertet und sollen anschließend wissenschaftlich veröffentlicht werden.