Figuren im Zwickauer Dom können jetzt sprechen
Wer waren die Menschen hinter den Figuren am und im Zwickauer Dom? Informatik-Studierende der WHZ lassen drei von ihnen genau das jetzt selbst erzählen – per Smartphone oder VR-Brille.
Viele Menschen laufen an ihnen vorbei, ohne zu wissen, wer sie einmal waren. Insgesamt 62 Steinfiguren befinden sich am und im Zwickauer Dom St. Marien. Sie zeigen Figuren des Alten und Neuen Testaments sowie Persönlichkeiten der Reformation und der Stadtgeschichte. Drei von ihnen sollen künftig ihre Geschichte selbst erzählen. Möglich macht das eine Software von Informatik-Studierenden der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ).
Jetzt stellten sie ihr Projekt bei einer öffentlichen Vorführung im Zwickauer Dom vor. Zu Wort kommen nun der frühere Ratsherr Stephan Roth, der ehemalige Bürgermeister Hermann Mühlpfort und die Bergbau-Pionierin Barbara Uthmann.
Figuren, die Besucher direkt ansprechen
An der Außenfassade können Besucher die sprechenden Figuren mit dem eigenen Smartphone aufrufen. Über QR-Codes gelangen sie zu dem digitalen Angebot. Im Inneren des Doms sollen künftig VR-Brillen bereitstehen. VR steht für virtuelle Realität. Damit können Besucher die Figuren in einer digitalen Umgebung erleben. Sie wenden sich direkt an ihr Gegenüber und erzählen aus ihrem Leben. Auch kleine spielerische Aufgaben gehören dazu.
Für die Kirchgemeinde ist diese Form der Vermittlung neu. Geschichte, die bisher vor allem in den steinernen Figuren steckt, soll so auch digital erlebbar werden.
Zwei Semester für den Prototyp
Zwei Semester lang arbeiteten die Studierenden an dem Projekt. Eine Gruppe prüfte zunächst, was technisch möglich ist. Auf dieser Grundlage entwickelte die zweite Gruppe einen Prototyp. Dieser soll im kommenden halben Jahr weiter verbessert werden, damit Besucher das Angebot möglichst einfach nutzen können. Das studentische Team war international zusammengesetzt. Neben Studierenden aus Deutschland waren auch Studierende aus Kirgistan, Georgien und Armenien beteiligt.
Warum nur drei von insgesamt 62 Domfiguren? Der Grund ist vor allem praktisch. "Der überwiegende Teil der Figuren befindet sich weit über der Augenhöhe der Betrachter. Barbara Uthmann und Stephan Roth sind auf Augenhöhe angebracht, was für das Projekt von Vorteil war", sagt Dagmar Behnken, Gemeindepädagogin der Zwickauer Stadtkirchgemeinde. Hermann Mühlpfort kam als früherer Bürgermeister hinzu, um die Verbindung zur Stadt sichtbar zu machen.
Die Gemeinde überlegt bereits, wie sich später weitere Figuren einbeziehen lassen. Das Angebot an der Außenfassade kann auch genutzt werden, wenn der Dom geschlossen ist. Die VR-Brillen stehen dagegen nur im Inneren zur Verfügung. Auch bei Kirchenführungen könnte die Technik künftig zum Einsatz kommen.